Fünf Jahre Revolution in Syrien

Die fragile Waffenruhe in weiten Teilen Syriens hat etwas eindrucksvoll in den Fokus gerückt, was uns allen schon fast entfallen war: Der blutige Bürgerkrieg ist kein Selbstzweck! Er ist die Folge einer Revolution, die nach wie vor von Menschen auf der Straße gelebt und verteidigt wird.

 

Der erste Freitag seit 4 Jahren, an dem Menschen in vielen Teilen des Landes wieder ohne Beschuss für ihre Ideen auf die Straße gehen konnten. Und sie kamen in Massen, ob im völlig zerstörten Jobar, im seit drei Jahren belagerten Ghouta vor den Toren Damaskus oder in anderen Teilen des Landes. Überall waren es Szenen, die an die Anfangszeit dieses endlos scheinenden Konflikts erinnern: Menschen mit der Flagge des unabhängigen Syriens, Sprechchöre und beißender Spott für Bashar Al-Assad.

Fast vergessen schienen die zarten Anfänge, als aus Mahnwachen vor der ägyptischen Botschaft in Damaskus und ein paar geschmierten Graffitis in Deraʾa eine Massenerhebung wurde. Als Ibrahim Qashoush in Hama die Zeilen sang, die zum Fanal des friedlichen Aufstands werden sollten. „Yalla, erḫal ya Bashar!“(Los Bashar, Zeit zu verschwinden!) tönte es bald in Hama, Homs, Aleppo, Jisr al-Shoughour und auch in Damaskus. Vergessen die Videos von Basel Shehade, der seine sichere Zukunft in den USA eintauschte um die schon eskalierten Auseinandersetzungen in seinem Heimatland, aber vor allem die zahlreichen zivilgesellschaftlichen Projekte zu dokumentieren. Fast nur noch schemenhaft scheinen die Umrisse von Razan Zaitouneh, die den meisten Menschen in Europa nicht mal ein Begriff sein dürfte, durch den Nebel der Gewalt. Als Menschenrechtsaktivistin wurde sie erst von den Sicherheitskräften Assads drangsaliert, später verschwand sie im von der Jaish al-Islam gehaltenen Ghouta.

Diese drei, der Sänger, der junge Regisseur und Fotograf und die erfahrene Menschenrechtsaktivistin, stehen sinnbildlich für den Kampf, den viele Menschen in Syrien noch immer führen. Einen Kampf um Würde. Um Selbstbestimmung. Und auch um Freiheit, auch wenn dieses Ideal so vieldeutig scheint wie die Menschen, die es fordern.

Wir von CADUS unterstützen diesen Kampf. Wir unterstützen die Menschen auf die einzige Weise, die uns gerade möglich ist. Mit technischem Gerät, Ausbildung und medizinischer Infrastruktur.

Aber auch, indem wir ihnen wieder etwas Gehör verschaffen. Syrische Revolution, das ist mehr als Assad, Da’esh und Jabhat al-Nusra!
Am Anfang des Aufstandes sprühten Assads Soldaten als Exempel „It’s either Assad or we burn the country“ an die Häuser der „befriedeten“ Bezirke und Kleinstädte. Doch in den von Rebellen gehalteten Gebieten singen die Menschen wieder. Sie singen „Ash-sha’ab yureed isqat an-nizzam (Das Volk will den Sturz der Regierung)“. Assad hat das Land brennen lassen. Doch schon 2013 schrieben die Menschen in Aleppo an ihre völlig zerstörten Häuser: „It’s not over until we win!“.

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