Pressemitteilung- Zusammenstöße zwischen Polizei und Geflüchteten im Camp Moria auf Lesbos

Blend- und Schockgranaten statt Suppe zum Abendessen - Vermutlich kleiner Streit zwischen Sicherheitskräften und einem Jungen lässt die Lage im Camp auf Lesbos eskalieren
 
(Lesbos/Camp Moria) Seit Dienstag ist es im Abschiebelager Moria auf Lesbos zu massiven Zusammenstößen zwischen Geflüchteten und der griechischen Polizei gekommen. Ein  medizinisches Team von CADUS war die Nacht vor Ort und hat zahlreiche Menschen mit Brandverletzungen, Knochenbrüchen und Platzwunden versorgt. Jedoch wurden sie von einem massiven Polizeiaufgebot daran gehindert, in die Nähe des Lagers zu gelangen und Erste Hilfe zu leisten. “Als wir gegen 16.00 Uhr vor Ort eintrafen, sahen wir nur eine große Rauchsäule über dem Lager stehen, die Polizei setzte Tränengas ein. Der Zutritt zum Lager war erst gegen 22 Uhr möglich.”, berichtet Sascha Gierke, Sprecher des CADUS Teams auf Lesbos.  
 
Katastrophale humanitäre Bedingungen im Camp und Abschiebungen sind Anlass für Proteste
 
Auslöser für die Zusammenstöße soll ein Streit zwischen Polizei und einem geflüchteten Jungen gewesen sein, berichteten Augenzeugen gegenüber dem CADUS-Team. Jedoch deutet alles darauf hin, dass die katastrophalen Internierungsbedingen und drohende Abschiebungen Grundlage für die Spannungen und Proteste sind. 
 
Laut griechischer Regierung sind in Moria derzeit 1900 Geflüchtete untergebracht, CADUS und andere Hilfsorganisationen gehen von 4000 Menschen aus. Die Versorgungslage ist katastrophal. „Die Leute sind gezwungen sich außerhalb des Lagers mit Essen und Wasser zu versorgen, im Camp gibt es nur braune Brühe. Und nur einmal Essen am Tag, das reicht bei Weitem nicht für Alle. Wer nicht versorgt wird, hungert oder versucht sich außerhalb mit dem Notdürftigsten zu versorgen“ berichtet Gierke. Viele Menschen sind während des Blend- und Tränengasgranatenbeschusses durch die Lücken im Zaun in umliegende Wälder geflohen und harren dort noch aus, und wollen nicht mehr zurück in das Abschiebelager.
 
Besonders die unbegleiteten Minderjährigen aus Afghanistan, Iran und Pakistan sind zur Zeit stark von Abschiebung bedroht. Die mittlerweile dritte Gruppe von Geflüchteten aus diesen Ländern wurde gestern am frühen Vormittag abgeschoben, was Anlass für die Proteste gewesen sei. Die Stimmung sei aufgrund der Internierungsbedingen, die wie Haft wirken, schon mehrfach massiv angespannt gewesen, führt Gierke weiter aus.
 
Der Schlag eines Polizisten habe laut Aussagen von Menschen aus dem Camp die Situation dann gestern gegen 14 Uhr Ortszeit eskalieren lassen, Steine und Wasserflaschen seien auf die Polizeikräfte geflogen, die mit Tränengasbeschuss reagierten. „Wir waren erst gegen 16 Uhr selbst vor Ort, da war das Lager schon komplett von Sicherheitskräften und Polizeieinheiten abgeriegelt. Der Zugang wurde uns verwehrt, wir konnten allerdings die dichten Rauchwolken über Teilen des Lagers sehen“, berichtet das CADUS Team. „Erst gegen 22 Uhr wurden wir dann in das Lager gelassen, über dem gesamten Areal lag ein beißender Geruch von Tränengas und verbranntem Plastik.“
 
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