Krieg in Gaza: Unerbittlicher als je zuvor

Seit dem 18. März ist der Waffenstillstand zwischen Israel und der Hamas Geschichte. Der Krieg geht weiter und damit auch das Töten und Zerstören, wie es scheint aber noch heftiger als zuvor. Für die Menschen in Gaza gibt es keine Sicherheit und selbst für humanitäre Helfer*innen ist es gefährlicher als vor dem Abkommen.

Hinzu kommt, dass die israelische Regierung die Grenzen zum Gazastreifen bereits Anfang März für kommerzielle Güter, aber auch für humanitäre Hilfslieferungen gänzlich geschlossen hat. Innerhalb kürzester Zeit sind die Preise für Lebensmittel, Medikamente, Kraftstoff und Alltagsgegenstände für die meisten Palästinenser*innen unerschwinglich geworden. Auch wenn die humanitäre Gemeinschaft und die UN den Waffenstillstand genutzt haben, um ihre Lagerhäuser zu füllen, wird es nur wenige Wochen dauern, bis der allgemeine Mangel wieder eintritt.


Rauchsäulen gehören seit dem Ende des Waffenstillstandes wieder zum Alltag in Gaza. Foto: CADUS

Keine Sicherheit, nirgends

Im Zuge des Waffenstillstands gab es auch so viele medizinische Evakuierungen (MedEvac) aus Gaza heraus wie selten zuvor. Während der Feuerpause war CADUS beinahe täglich an Massenevakuierungen von Patient*innen und deren Angehörigen über Rafah nach Ägypten zusammen mit dem Palästinensischen Roten Halbmond (PRCS,) dem Gesundheitsministerium und der Weltgesundheitsorganisation (WHO) beteiligt. Jetzt, mit dem erneuten Aufflammen der Kämpfe, sind diese völlig zum Erliegen gekommen.


Die persönliche Schutzausrüstung ist Pflicht während der Einsatzfahrten um ein Mindestmaß an Sicherheit zu erlangen. Foto: CADUS

Die Intensität, mit der das israelische Militär diese Angriffe führt, ist enorm. Zusätzlich sind viele Mechanismen nicht mehr in Kraft, die vor dem Waffenstillstand der Zivilbevölkerung, der UN (United Nations) und humanitären Organisationen einen minimalen Schutz und eine gewisse Orientierung geboten haben.

Schutzsysteme außer Kraft

Dazu gehört für die Bevölkerung die fehlende Ausweisung einer „Humanitären Zone“. Zwar war diese Zone auch früher immer wieder Ziel von Luftangriffen und wurde häufig in Form und Ausdehnung geändert. Trotzdem war immer ein deutlicher Unterschied in der Intensität der Kämpfe innerhalb und außerhalb dieser Zone deutlich.


Die Palästinenser*innen stehen unter enormem Druck. Viele von ihnen mussten schon mehrfach innerhalb Gazas fliehen oder wurden vertrieben. Foto: CADUS

Die Warnungen des israelischen Militärs, die einem flächendeckenden Angriff früher regelmäßig vorausgingen, werden jetzt seltener. Diese Unberechenbarkeit erhöht den ohnehin enormen psychischen Druck auf die Menschen in Gaza. Das trifft, wenn auch in anderem Ausmaß, auch für die UN und Hilfsorganisationen zu. Das humanitäre Notification-System, außerhalb von Hochrisikogebieten Aufenthaltsorte und Standorte von geplanten Hilfsaktionen an das Militär zu melden, um Bombardierungen vorzubeugen, gibt es nicht mehr. Diese Entwicklung erhöht die Gefahr für alle Menschen in Gaza dramatisch und behindert humanitäre Arbeit enorm.

Erneute Teilung?

Zu befürchten ist auch eine erneute Teilung des Gazastreifens in Nord und Süd. Dadurch wäre der Zugang für humanitäre Hilfe im Norden wieder deutlich behindert. Der Netzarim-Korridor, eine im Oktober 2023 vom israelischen Militär angelegte Straße von der Küste bis an die Grenze, ist in großen Teilen wieder durch dessen Streitkräfte besetzt worden. Für den Moment ist die Küstenstraße, die Norden und Süden verbindet, noch passierbar. Bewegungen durch dieses Nadelöhr sind aber ungleich gefährlicher geworden, für die Bevölkerung und auch für internationale Organisationen.


Die Menschen in Gaza sind angesichts der massiven Angriffe, häufig ohne Vorwarnung, massiv verunsichert und versuchen sich zu schützen so gut es geht. Foto: CADUS

Hier ist zwar das Coordination-System noch in Kraft, über das humanitäre Organisationen ihre Aktivitäten mit dem israelischen Militär koordinieren und genehmigen lassen müssen. Das bedeutet aber enormen bürokratischen Aufwand, der häufig mit einer Ablehnung und damit fehlender Hilfe für die Menschen in Nord-Gaza endet.

Humanitäre Hilfe unter Beschuss

Im Angesicht der wieder einsetzenden Kampfhandlungen in Nord-Gaza, Khan Younis und Rafah ist die Verunsicherung groß. Lokale Notfallorganisationen wie PRCS werden wieder vermehrt Ziel von gezielten Angriffen auf Personal, Fahrzeuge und Lagerflächen. Vermeintlich geschützte Gebäude internationaler Organisationen, wie kürzlich vom Internationalen Roten Kreuz (ICRC) und UNOPS (Büro der Vereinten Nationen für Projektdienste ) werden gezielt oder versehentlich getroffen. Die Konsequenz bleibt dieselbe: Tote und Verletze. Wie lange internationale Organisationen unter diesen Bedingungen noch arbeiten können und wollen ist fraglich. Die Folgen eines Rückzugs der humanitären Gemeinschaft würde die ohnehin unterversorgten Menschen in Gaza treffen.

Die Mitarbeiter*innen des Palästinensischen Roten Halbmonds (PRCS) und von lokalen Krankenhäusern sind immer wieder Gewalt ausgesetzt. Auch internationale humanitäre Helfer*innen werden angegriffen, teils mit tödlichem Ausgang. Foto: CADUS

Bis auf weiteres werden wir unser Engagement in Gaza fortsetzen, auch auf den ausdrücklichen Wunsch unseres Teams vor Ort.

Wir fordern die Regierung Israels abermals auf, ihrer Verpflichtung nachzukommen den uneingeschränkten Zugang für humanitäre Hilfe auf allen Ebenen in Gaza zu ermöglichen und die Gewalt gegenüber der Bevölkerung, medizinischem Personal und humanitären Helfer*innen einzustellen.

by CadusPR

Drei Jahre Ukraine-Krieg – drei Jahre Nothilfe

Februar 24th, 2025|

Auf den Tag genau drei Jahre ist es her, dass Russland die Ukraine angegriffen hat. 11 Jahre seit der Besetzung der Krim. Für die Menschen in der Ukraine bedeutet das unter widrigsten Bedingungen ihr Leben gestalten zu müssen, trotz Tot und Zerstörung. Seit drei Jahren unterstützen wir die Menschen in der Ukraine dabei. Ein Beitrag unseres Teams in der Ukraine:

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