Die Situation überall in Rojava ist nach wie vor dramatisch

Die Menschen vor Ort sind mit ihren Herzen und Gedanken zur Zeit hauptsächlich in Kobanê, aber auch in anderen Städten und Kantonen ist die Lage äußerst kritisch.

Bei Besuchen verschiedener Krankenhäuser und Gesundheitsstationen wird deutlich, dass es im medizinischen Bereich schlichtweg an allem mangelt: Von Antibiotika und Schmerzmitteln bis hin zu qualifiziertem Personal. Im Prinzip wird fast die gesamte Versorgung von ungelernten Kräften gestemmt, medizinische Aus- und Fortbildung findet nicht statt.

Schwerstverwundete Kämpfer*innen von YPG und YPJ werden mit einfachsten Mitteln notdürftig zusammengeflickt, auf Grund der medizinischen Situation werden sie ihr Leben lang nicht vollständig genesen. Einer der wenigen verbliebenen Chirurgen vor Ort fasst die Situation zusammen: „Wir praktizieren hier eine Medizin wie vor 500 Jahren.“

Viele Familien in der Region haben ihre Häuser hergegeben, damit Verwundete nach der Akutphase und Erstversorgung in Krankenhäusern und Gesundheitsstationen langfristig untergebracht und versorgt werden können. Viele Probleme wären mit einer minimalen medizinischen Infrastruktur verhältnismäßig einfach zu beheben bzw. zu versorgen, aber wie bereits erwähnt, fehlt diese vollständig.

Von den Betroffenen ist zu hören, dass viele Delegationen von vielen Organisationen bereits vor Ort waren, viel gesprochen, viel geschrieben und viel Tee getrunken wurde, aber eigentlich bisher nichts passiert ist. In Rojava kommt bisher keine Hilfe an und Resignation macht sich breit. An der Haltung Deutschlands wird von Flüchtlingen und vielen anderen Menschen kritisiert, dass ausschließlich die Peschmerga unterstützt werden.

In Gesprächen mit dem Rojava-Gesundheitskomitee und anderen Organisator*innen der Gesundheitsstruktur vor Ort wurden Ideen und Möglichkeiten für zukünftige medizinische Hilfe ausgetauscht, aber auch von unserer Delegation musste deutlich gemacht werden, wie schwierig es werden wird, die medizinische Versorgung vor Ort zu verbessern und zu organisieren.

In weiteren Treffen mit politischen Verantwortungsträger*innen und Herva Sor a Curd wird es neben medizinischen Aspekten vor allem auch um Themen wie Bevölkerungs- und Katastrophen-Schutz, sowie Wasserversorgung gehen. Immer wieder wird von Repräsentant*innen der Kurdischen Verwaltung betont, dass Rojava als Modell zu verstehen sei, wie eine friedliche, multiethische Lösung für ganz Syrien aussehen könnte. Man verstehe sich ganz klar als Teil Syriens, nicht als „Abspaltung“.

Veröffentlicht:
Verfasser*in: von

zurück zur vorherigen Seite