Eine Straßenszene in Raqqa im Dezember 2018 ©CADUS
Raqqa, ehemalige Hauptstadt des sogenannten Islamischen Staates, erholt sich langsam von über 5 Jahren Terrorherrschaft. ©CADUS

Neues aus Nordsyrien

Gute Neuigkeiten für unsere Projekte in Rojava, Nordsyrien. Die Förderung für die Gesundheitsstation in Raqqa wurde verlängert und unser Antrag für die Ausrüstung eines Traumastabilisierungspunktes mitsamt Ausbildung vor Ort wurde bewilligt. Damit werden wir medizinische Kapazitäten schaffen für den Fall, dass es zu neuen Kämpfen kommen sollte.

Ungewisse Zukunft für Syrien

2018 war ein weiteres Jahr in dem Syrien und die syrische Zivilbevölkerung ein Spielball globaler politischer Auseinandersetzungen wurden. Ende des Jahres erklärte die USA, der sogenannte Islamische Staat (IS) sei besiegt. Im Zuge dessen kündigte sie an, alle dort stationierten Truppen abzuziehen. Diese Ankündigung wirkte sich gravierend auf die politische Lage in Rojava, den drei selbstverwalteten mehrheitlich kurdischen Gebieten in Nordsyrien, aus. Ein militärischer Angriff durch die Türkei kann bis heute nicht ausgeschlossen werden, was für die ohnehin kriegsgebeutelte Region und deren Bewohner noch mehr Tod und Zerstörung bedeuten würde.

Die Kämpfe dauern an

Gleichzeitig wirken sich die anhaltenden Kämpfe gegen den IS in der südlichen Region Deir ez-Zor katastrophal auf die Zivilbevölkerung aus. Tausende Menschen sind immer noch zur Flucht gezwungen. Ein besonders tragisches Beispiel hierfür ist die Situation in dem Camp Al Hol im Bezirk Al-Hassakeh. In dem Camp befinden sich momentan über 57.000 Menschen. Allein innerhalb der letzten zwei Monate sind 35.000 Personen, vor allem Frauen und Kinder, aus den umkämpften Gebieten geflohen und haben in dem Camp Zuflucht gesucht. Auf dem Weg dorthin sind nach offiziellen Angaben mindestens 85 Kinder in den letzten Tagen erfroren. Diese katastrophale Situation zeigt, dass humanitäre Arbeit vor Ort immer noch unabdingbar ist und Unterstützung dringend benötigt wird.

Für CADUS bedeutet das konkret: Wir wollen neben einer grundständigen Unterstützung von lokalen Gesundheitseinrichtungen auch die örtliche Traumaversorgung, also die Behandlung von schweren Verletzungen, weiter stärken. Genau das werden wir nun die nächsten Wochen und Monaten tun. Neben unserer Arbeit in Raqqa unterstützen wir zusätzlich die örtlichen Strukturen bei dem Aufbau eines mobile Versorgungspunkt für schwerverletze Zivilist*innen im Norden von Rojava.

Krankenbett in einem Behandlungszimmer in der Gesundheitsstation in Raqqa ©CADUS


Unsere Aktivitäten in Raqqa gehen ungehindert weiter

Die von uns zusammen mit dem Kurdischen Roten Halbmond betriebene Gesundheitsstation in Raqqa geht noch einmal in die Verlängerung. Damit reagieren wir auf die immer noch desolate Versorgungslage in der Stadt, die eine Rückkehr der ehemaligen Bewohner*innen unter menschenwürdigen Bedingungen kaum möglich macht. Bis Ende Dezember haben wir über 17.000 Patient*Innen behandeln können. Eine Großzahl der Menschen wurden allgemeinärztlich Versorgt. Über 3000 Patient*Innen benötigten auch eine Notärztlich versorgt. Nun ist es uns gelungen in unserer Klinik auch einen gynäkologischen Service bereitzustellen. Der Bedarf dafür ist hoch, wurde Frauen hierzu, unter der Herrschaft des IS, der Zugang größtenteils verwehrt. Gleichzeitig steigt die Zahl von gewalttätigen Angriffen in der Stadt wieder an, so gibt es vermehr Spannungen zwischen verschiedenen Gruppen bezüglich Einflusses und politischer Teilhabe. Neben sogenannter Primary Health Care sind wir deshalb auch weiterhin auf Notfälle und die Versorgung von Schwerverletzen vorbereitet.

Neben der Arbeit in Raqqa, was vor allem Verwaltungstätigkeiten beinhaltet, steht nun der Aufbau des mobilen Versorgungspunktes an. Hierzu muss viel Ausrüstung in die Region geschafft werden. Zusammen mit medizinischem Personal vor Ort wollen wir zusätzlich nachhaltige Trainings im Bereich Notversorgung ausarbeiten.

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