Ziele und Grundsätze von CADUS

Was ist CADUS?

CADUS ist eine gemeinnützige und unabhängige Hilfsorganisation mit Sitz in Berlin. Unsere Arbeit befasst sich vor allem mit der Unterstützung von Menschen in Krisensituationen. Als Krise begreifen wir zum einen Notsituationen wie Sudden Onset Desasters, Krisen im Umfeld von Krieg und Konflikten und humanitäre Krisen im Zusammenhang mit Flucht und Migration. Zum anderen verstehen wir Krise nicht nur in diesem engen Sinne, sondern fassen den Begriff weiter. So sehen wir ökologische und politische Dynamiken als wesentliche Faktoren an, die eine Krise nach sich ziehen können. Krisen sind für uns somit ein vielschichtiges Phänomen, welchem immer komplexe gesellschaftliche und ökologische Dynamiken zugrunde liegen.


Unsere Arbeit ist von drei Grundsätzen geprägt:


Flexibilität und Mobilität

Wir wollen humanitär arbeiten, wo kaum oder keine humanitäre Hilfe geleistet wird. Modulare und flexible Konzepte ermöglichen es uns auf komplexe und dynamische Krisensituationen schnell und effektiv zu reagieren. Einige der größten Herausforderungen der heutigen humanitären Arbeit, wie asymmetrische Kriegsführung oder gezielte Angriffe auf humanitäre Akteur*innen, können wir somit angemessen begegnen.


Wissens-, Struktur- und Techniktransfer

Humanitäre Arbeit ist für uns kein einseitiger Transfer von „westlichen“ hoch professionalisierten Organisationen hin zu „bedürftigen“, „passiven“ Betroffenen. Wir wollen zusammen mit lokalen Communities neue innovative Projekte entwickeln, welche zum einen an die Gegebenheiten vor Ort angepasst sind, zum anderen aber aktiv von diesen Empfänger*innen humanitärer Hilfe mitgestaltet werden. Essentiell hierbei ist der Austausch zwischen CADUS als humanitärer Organisation und denjenigen, die von Krisen direkt betroffen sind. Gleichzeitig bedeutet dieser Transfer für uns auch Interdisziplinarität. Personen verschiedenster Hintergründe, wie beispielsweise Student*innen, Hacker*innen oder Techniker*innen verfügen über spezifische Expertisen, welche einmal zusammengebracht, ein großes Potential haben. Dadurch wird die Möglichkeit geschaffen neue und nachhaltige Lösungen für humanitäre Probleme zu entwickeln.


Innovation und Entwicklung

Wir wollen Problemlösungen neu denken. Innovation soll durch fachübergreifendes Handeln entstehen. Organisationen und Individuen sollen die Möglichkeit erhalten humanitäre Lösungen umzusetzen, im Speziellen dann, wenn eine strukturelle Benachteiligung oder der Mangel an finanziellen Ressourcen eine aktive Partizipation an humanitärer Arbeit und deren klassischen Strukturen verhindert. Daraus folgt auch unsere Prämisse, alle von uns entwickelten Lösungen als Blaupausen und Open Source für Andere zur Verfügung zu stellen.

Kurz gesagt: Unser Ziel ist eine reflektierte Arbeitsweise im Bereich der humanitären Hilfe. Dies beinhaltet einen Fokus auf die Einbindung lokaler Communities. Wir wollen die Ursachen mitbedenken und keine reine Symptombekämpfung betreiben. Darüber hinaus versuchen wir bei der Umsetzung unserer Projekte, diese aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten und alle Dimensionen zu berücksichtigen. Das bedeutet, dass wir technische, soziale, ökonomische und ökologische Aspekte mit einbeziehen. Nur auf diese Weise kann humanitäre Arbeit effektiv und nachhaltig wirken.

Wieso gibt es uns? Welche Ziele haben wir?

Viele von uns haben bereits in anderen Zusammenhängen humanitär gearbeitet und waren dabei mit verschiedenen Dingen unzufrieden. Zum einen haben wir eine eigene Organisation gegründet, weil wir genau diese Unzufriedenheit offen und unbelastet thematisieren und neu denken können wollten. Zum anderen haben wir uns aus einem vollkommen anderen Kontext heraus zusammengefunden haben, der einen für uns sehr speziellen Drive in unsere Arbeit bringt. Die meisten von uns kennen sich aus der Organisation von kleinen, größeren und Groß-Events aus der musikalischen (Sub-)Kultur.

Beim Organisieren von beispielsweise großen Festivals braucht es einerseits genau das, was es in der Krisenintervention in der humanitären Hilfe auch braucht, nämlich viele Gewerke rund um das tägliche Leben: Stromversorgung, Wasserver- und -entsorgung, Nahrungsversorgung für sehr große Gruppen. Das heißt, es finden sich hier Spezialist*innen für all die Gebiete, die wir in der humanitären Hilfe brauchen.

Andererseits findet sich hier aber etwas, was wir in der humanitären Hilfe oft vermisst haben. Auch bei der Organisation und Durchführung von Großveranstaltungen treten immer wieder unvorhergesehene Dinge ein, funktionieren Planungen nicht wie gedacht, müssen extrem schnell Lösungen für nicht bedachte oder noch nie dagewesene Probleme gefunden werden. Dabei erleben wir hier eine Innovationsfreude, die wir früher in unseren humanitären Kontexten vermisst haben. Diese Innovationsfreude, diese Freude daran, neue Wege zu gehen und Lösungen zu finden, wollten und haben wir mit der Gründung von CADUS in den humanitären Kontext gebracht.